Foto: Marja Költzsch, Henrichshütte Hattingen

Ein Fallbeispiel für gelingende Mediation rund um Alter, Pflege und Erkrankung

Wie kommt es zum Konflikt?

Herr M. ist an Demenz erkrankt. Weil er nicht mehr alleine zu Hause leben konnte, ist er vor ein paar Monaten in eine vollstationäre Einrichtung für Senioren eingezogen.

Frau S., seine Tochter, hat den Umzug in das Seniorenheim organisiert. Ihr fällt bei Besuchen in der Einrichtung regelmäßig auf, dass ihr Vater schmutzige Kleidung trägt und insgesamt ungepflegt wirkt.

Sie ist verärgert darüber und äußert das wiederholt dem Pflegepersonal gegenüber. Als Antwort hört sie unter anderem: „Ihr Vater lässt sich nicht pflegen“. Zudem wechselt das Personal so oft, dass sie den Überblick verliert, mit wem sie was und wann besprochen hat. Frau S. empfindet, dass Ihre Beschwerden als oberflächlich abgetan und ihre Wünsche nach entsprechender Versorgung des Vaters nicht erfüllt werden.

Der Konflikt eskaliert

Eines Tages findet sie ihren Vater wieder unrasiert vor. Er trägt das gleiche Hemd und die gleiche Hose wie vor drei Tagen, überall sind Essenreste auf der Kleidung.

Sie informiert die Einrichtungsleitung darüber, dass sie die Pflegesituation ihres Vaters nicht mehr länger hinnehme und jetzt die entsprechenden Behörden über die schlechten Zustände im Seniorenheim benachrichtigen werde.

Die Einrichtungsleitung bietet Frau S. ein persönliches Gespräch an, dass zunächst nicht zustande kommt, weil die Tochter mitteilt, dass „sie kein Vertrauen mehr in die Einrichtung“ habe und keinen Sinn in einem persönlichen Gespräch sähe.

Eine Mediation wird vereinbart

Die Leitung des Seniorenheims wendet sich daraufhin an eine Mediatorin und bittet sie darum, mit Frau S. Kontakt aufzunehmen. Die Kosten der Mediation sollen von der Einrichtung übernommen werden.

Nach einem informativen Erstgespräch zum Anliegen der Heimleitung und zum Mediationsverfahren, stimmt Frau S. einer Mediation zu.

Welche Informationen ergeben sich aus der Mediation?

Als Bäcker stand Herr M. immer um 4.00 Uhr morgens auf, um in die Backstube zu gehen. Diesen Rhythmus behält er auch als Rentner und in der Einrichtung bei. Er steht um 4.00 Uhr morgens auf, zieht an, was in seinem Zimmer auf dem Sessel liegt und geht dann „zur Arbeit“, meistens im Speiseraum. Vom Nachtpersonal lässt er sich nicht auf sein Zimmer bringen. Herr M. verbringt seinen „Arbeitstag“ im Speisesaal. Der Frühdienst sieht deshalb keine Möglichkeit, Herrn M. beim Waschen und Anziehen behilflich zu sein.

Was wird in der Mediation vereinbart?

Vor allem der gemeinsame Austausch über die Lebensbiografie von Herrn M. und die Arbeitsabläufe im Seniorenheim erlauben beiden Konfliktparteien, die jeweilige Situation von Herrn M., seiner Tochter und des Pflegepersonals besser zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden.

Die Betreuung von Herrn M. und die Organisationsabläufe der Einrichtung können nun besser an die jeweiligen Bedürfnisse und Gegebenheiten angepasst werden:

Herr M. wird zukünftig vom Nachtpersonal gepflegt, dass ihm um 4.00 Uhr morgens bei der Körperhygiene hilft und ihm frische Kleidung aus dem Schrank bereitlegt.

Danach begleitet es ihn in den Speiseraum und bereitet ihm Frühstück zu.

Herr M. bekommt verschiedene Brot- und Wurstsorten zur Auswahl, damit er sich sein Frühstück so gut wie möglich selbst zubereiten kann.

Außerdem wird Herr M. auch zu entsprechenden Aktionen der Einrichtung, wie zum Beispiel Plätzchenbacken in der Adventszeit, immer eingeladen.    

Frau S. und die Einrichtungsleitung werden sich in den kommenden zwei Wochen jeweils zweimal in Verbindung setzen, um sich über die neuen Pflegemaßnahmen auszutauschen und diese bei Bedarf anzupassen.

Wie ging es weiter?

Die Tochter ist mehr in das aktuelle Pflegegeschehen rund um ihren Vater eingebunden und empfindet, dass er in der Einrichtung jetzt gut aufgehoben ist.

Der Vater nimmt sichtbar mit Freude und in seinem „alten Beruf“ am Geschehen um sich herum teil.

Warum dieses Fallbeispiel?

Eine Demenz fordert nicht nur von erkrankten Menschen, sich Ängsten, Beunruhigung oder dem Verlust von selbstbestimmtem Leben zu stellen.

Auch Angehörige, Freunde oder Pflegeprofis erleben Trauer, Sorge oder Überforderung.

Mit realen Fallbeispielen möchte ich Ihnen einen Einblick in die vielfältigen Konfliktthemen bei einer Erkrankung in der Familie vermitteln.

Ich will Ihnen eine Idee davon geben, wie ich Sie als Mediatorin unterstützen kann, damit Sie gemeinsame Lösungen für ein weiteres, entlastetes Miteinander entwickeln und umsetzen können.

Melden Sie sich gerne jederzeit bei mir.

email: koeltzsch@crossword-mediation.com

fon: 015 22 66 33 835

 

Wer ich bin

Als zertifizierte Mediatorin bin ich spezialisiert auf außergerichtliche Konfliktklärung im Umfeld von Gesundheit, Erkrankung und Pflege.

Über Schulungen und Projektmanagement unterstütze ich Menschen dabei, Konflikte und schwierige Situationen eigenverantwortlich und gewaltfrei zu lösen – beruflich wie privat.

Warum…

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